Freitag, 7. März 2008
Das ganz alltägliche Erasmusleben
Nun wohne ich seit zweieinhalb Wochen in Besiktas (den Fußballfans wird das zumindest vom Namen her etwas sagen) mit meiner türkischen Mitbewohnerin Kübra. Mein Zimmer ist nicht gerade riesig, aber dafür haben wir ein ganz tolles geräumiges Wohnzimmer, welches auch genug Schlafplätze bietet, um maximal drei Leute gleichzeitig zu beherbergen. Dies als kleiner Anreiz für alle Reisewilligen... ;-) Sehr schön ist natürlich auch, dass ich eine türkische Mitbewohnerin habe. Zwar spricht sie sehr gut Englisch und Spanisch, sodass wir uns zurzeit noch nicht auf Türkisch unterhalten – aber mein angepeiltes Ziel für die nächsten Wochen ist es, das zu ändern. Nun wohne ich also in einer schönen Wohnung mit einer netten Mitbewohnerin und dazu noch in recht zentraler Lage. Wenn man das in Istanbul überhaupt über irgendeinen Ort sagen kann. Nach Taksim (shoppen und abends weggehen) brauche ich mit dem Bus oder Sammeltaxi fünf bis 15 Minuten, je nach Verkehrslage. Zu meiner Uni schaffe ich es in ungefähr einer Dreiviertelstunde, auch eine vertretbare Zeit. Nicht nur die Bushalte- und Sammeltaxistelle sind sehr nah, auch ein Fährenanlege- und -abfahrtspunkt (nennt man das Hafen? Ich bin verwirrt...) ist direkt bei uns in Besiktas. Einkaufstechnisch kann ich mich ebenfalls nicht beklagen, der nächste billige Supermarkt ist 20 Meter bei mir die Straße runter, weitere drei befinden sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe. Und was wäre die perfekte Wohnlage ohne eine Moschee? Die ist ca. 50 Meter die Straße runter, gehört habe ich bisher aber kaum etwas. Die Muezzine schreien hier sehr dezent – die Lautsprecher werden also nicht bis zum Anschlag aufgedreht wie im Jemen. Auch habe ich noch keinen Muezzin ins Mikor husten oder pusten hören. Die Jemen-Erfahrenen unter euch wissen vielleicht, worauf ich anspiele ;-)
Etwas sehr Beeindruckendes konnte ich nun als Besiktas-Bewohnerin am letzten Wochenende miterleben und es wird sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein! Um vier Uhr nachmittags ging ich gerade von Erasmusfreunden, die auch in Besiktas wohnen, nachhause. Das sind fünf Minuten zu Fuß. Normalerweise. An jenem Tag war jedoch alles anders: Menschenmassen über Menschenmassen in den Straßen, alle schwarz-weiß gekleidet. Gut, dass ich die gleichen Farben trug. Nun konnte ich mir also schon zusammenreimen, dass Besiktas an diesem Tag spielen würde. Als ich eine Stunde später wieder aus dem Haus ging, um mich mit einer Freundin zu treffen (wir wollten mit dem Bus nach Taksim fahren), kam ich nur sehr mühevoll voran. Die gesammelten Massen der Fußballfans hatten sich nämlich zusammengefunden und sind fröhlich singend Richtung Stadion (das auf dem Weg nach Taksim liegt) gewandert. Ein wirklich beeindruckendes Schauspiel! Wir beiden Mädels dachten also, das Spiel wäre gut für Besiktas ausgegangen und die Leute machen sich nun den Sieg besingend auf den Weg nachhause respektive zum Stadion, um dort quasi an der Wirkungsstätte ihrer Helden weiterzufeiern. Je weiter wir mit dem Bus Richtung Stadion kamen, desto voller wurde es auch und wir waren froh, als wir das Stadion hinter uns gelassen hatten. Da die Straße oberhalb des Stadions vorbeiführt, konnten wir sehen, dass dort noch ein paar Fans saßen. Das dachten wir zumindest. Als wir zwei Stunden später wiederkamen, wurden wir aber eines besseren belehrt: Nun war das Stadion nämlich voll besetzt, das Spiel voll im Gange. Das hieß also, dass das, was wir vorher als „Siegesfeier“ interpretiert hatten, nur das Aufwärmen vor dem Spiel war... Was ich zu jenem Zeitpunkt auch nicht wusste: Das Spiel war ein Derby! Und zwar gegen Galatasaray. Ein aufregenderes, emotionaleres Spiel kann es also kaum geben... Als ich dann zuhause gemütlich vorm Fernseher saß, konnte ich das Tor von Besiktas auch nicht verpassen. Aus allen Wohnungen um mich herum schallte ein unglaublicher Jubel herüber, sodass ich dann doch auch per Liveticker im Internet ein bisschen mitverfolgen wollte, was da so passiert. Besiktas hat das Derby tatsächlich gewonnen und ist damit Tabellenführer. Und dann ging draußen wieder die Post ab: Autokorsos ohne Ende bei uns am Fenster vorbei, tanzende und singende Menschen auf der Straßen. Das einzige Mal, dass ich so eine Euphorie in Deutschland erlebt habe, war die WM 2006. Die gehen hier JEDES Mal so ab, das ist unglaublich! Ich möchte mir nicht ausmalen, wie es wird, wenn Besiktas die Meisterschaft oder den Pokal gewinnen sollte. Dann wird wohl Ausnahmezustand herrschen...
Ein weiteres Ereignis, das mich extrem begeistert hat, war das Istanbuler Schneechaos vor knapp drei Wochen. Da diese Nachrichten ja sogar bis nach Deutschland gedrungen sind, kann man sich vorstellen, dass es wirklich außergewöhnlich war für die Stadt. Das ganze Land war eingeschneit, wir hatten hier in Istanbul in der Stadt über 20 cm Schnee liegen! Man stelle sich Berlin mit 20 cm Schnee vor... Es fing Samstag morgens an zu schneien und hörte bis Sonntag nicht mehr auf, da ich den halben Tag und die halbe Nacht durch die Stadt lief, bekam ich auch relativ viel davon mit. Abends lieferten wir uns Schneeballschlachten und schlitterten die steilen Straßen runter, das hat Spaß gemacht – wie die kleinen Kinder halt :-) Nach zwei Tagen war der Spaß dann auch wieder vorbei, extremes Tauwetter setzte ein und nun haben wir eher frühlingshafte Temperaturen, die auch nicht zu verachtern sind ;-)
Jetzt habe ich immer noch nicht von dem ganz alltäglichen Erasmusleben berichtet. Es fängt zunächst einmal damit an, dass meine Uni hier echt so was von verplant ist, das hätte ich kaum für möglich gehalten. Obwohl ich schon vorgewarnt wurde: Immer, wenn mich ein Türke fragt, an welcher Uni ich denn wäre, kommen schockierte bis mitleidige Blicke als Reaktion, wenn ich den Namen meiner Uni nenne. Naja, was solls – ich bin ja nicht zum Studieren hier! Beispiel Nummer 1: Ich gehe zum allgemeinen Erasmusbüro, dort erfahre ich, dass unser Orientation Meeting am 13. März sein wird. Die Uni fängt offiziell am 3. März an – erkennt jemand den Sinn darin, das Orientierungstreffen zehn Tage später zu machen?! Übrigens hatte die Erasmuskoordinatorin meiner Fakultät hier gesagt, dass Treffen wäre am 26. Februar. Nunja... Beispiel Nummer 2: Ich frage, wann denn die Sprachkurse anfangen. Die allgemeine Erasmuskoordinatorin antwortet im Brustton der Überzeugung: „Es gibt keine Sprachkurse!“. Wobei meine Fakultätskoordinatorin wiederum gesagt hatte, die Sprachkurse würden ebenfalls am 26. Februar beginnen.
Sie hatte übrigens Recht, wie ich mithilfe anderer Erasmusstudis aus Deutschland herausfinden konnte. Ich habe es dann also wirklich nach einigen Anstrengungen geschafft, einen Sprachkurs zu ergattern. Das Highlight kam direkt zu Beginn, denn wir durften sofort einen Einstufungstest machen – ohne Vorbereitung. Trotzdem wurde ich in dem Mittelkurs eingestuft, keine Ahnung, wie man das rechtfertigen möchte. Den Kurs habe ich nach vielem Hin- und Herüberlegen dann jedoch nach zwei Tagen wieder aufgegeben. Zum einen störte mich die Intensität (vier Tage die Woche, drei Stunden täglich), die mir kaum erlaubt hätte, noch viele andere Kurse zu besuchen. Zum anderen, und das war ausschlaggebend, war dieser Kurs einfach nur demotivierend für mich. Außer mir und dem anderen deutschen Erasmusmädel bestand die Klasse nämlich ausschließlich aus Menschen zentralasiatischer Staaten. Die haben alle eine Turksprache als Muttersprache, sind schon länger in der Türkei und haben die niedrigeren Kurse des Sprachzentrums bereits absolviert. Sie können also quasi alles – die Grammatik, die Wörter, sprechen. Und ich kam mir einfach nur extrem dumm vor, was der Lehrer auch noch dadurch verstärkte, dass er zu uns beiden Mädels meinte, wir hätten ja einiges nachzuholen. Wir wären ja deutlich schlechter als die anderen. Ja, danke! Es mag ja unter Umständen Mensche geben, die so etwas motiviert. Ich gehöre definitiv nicht dazu. So habe ich mich also entschieden, auf diesen Sprachkurs zu sch***** und in fleißiger Heimarbeit das aufzuarbeiten, was ich vor eineinhalb Jahren schon einmal konnte und dann wieder vergaß bzw. was ich noch nie konnte.
Bisher hat das mit der Heimarbeit noch nicht ganz zufrieden stellend geklappt. Und nun kommen wir zum wirklich alltäglichen Erasmusleben: Es gibt einfach zu viele Partys, als dass ich dazu kommen würde, fleißig zu sein :-) Aber ich gelobe Besserung, zumal die Uni ab nächste Woche auch wirklich anfangen soll. Wer aufmerksam mitgelesen hat, wird sich nun fragen, warum die Uni nicht schon diese Woche angefangen hat. Wir sind an der IU (Istanbul University, so der Name meiner Uni)! Da sieht man das alles nicht so eng... Immerhin habe ich mich diese Woche mit meinen drei Leidensgenossen eingeschrieben. Wir sind vier deutsche Erasmusleute, Mara aus Köln, Filiz aus Mannheim/Berlin, Ercin aus Augsburg und ich. An den Namen sieht man schon, dass zwei Deutschtürken unter uns sind, welch ein Glück! Wären Mara und ich alleine hier und müssten alle Dinge mit unserem kaum vorhandenen Türkisch klären – eine Katastrophe... Die Politikfakultät ist was Organisation anbelangt scheinbar noch schlimmer als die Uni im Allgemeinen. Ein Typ dort meinte schon zu mir „Welcome to Turkish hell!“. Dass er das so ernst gemeint hatte, war mir nicht bewusst gewesen... Nun gut, aber besonders dank der guten Türkischkenntnisse von Filiz und Ercin haben wir es geschafft, unsere Kurse zu wählen, sodass wir uns dann ordnungsgemäß einschreiben konnten. Ich habe insgesamt fünf Kurse gewählt: Politische Soziologie, Türkische Außenpolitik, Vergleichende Regierungslehre, Staat und Gesellschaft in Entwicklungsländern ...und... Diplomatenenglisch! Letzteren Kurs habe ich mir quasi als Entspannung „gegönnt“,hoffe ich mal. Ich habe nämlich das höchste Level genommen (Level acht), einerseits weil ich denke, dass die Mehrheit der Studierenden hier nicht wirklich gut Englisch kann, andererseits weil der Kurs zeitlich besser liegt. Der Sechserkurs (Level sechs) wäre Freitag morgens um neun Uhr – das ist nun wirklich zu früh! ;-) Meine anderen Kurse werden alle auf Türkisch sein, da bin ich echt mal gespannt, wie viel ich von den Inhalten verstehen werde.
Nun gibt es eigentlich noch einige andere Dinge, über die ich schreiben könnte, aber mein Türkischbuch liegt neben mir und guckt mich ganz vorwurfsvoll an – also will ich mal fleißig sein (Optativ im Türkischen! ...das für die Turkologen und Grammatiknazis....) und melde mich hoffentlich bald wieder :-)
Liebe Grüße aus Besiktas,
eure Gesa
Montag, 11. Februar 2008
Armut und Tabak
Ja, diese beiden Wörter gibt es in der deutschen Sprache – und sie haben auch durchaus was mit den Eindrücken, die ich in der letzten Woche in Istanbul bekommen habe, zu tun. Vor allem letzteres: Hier wird so unglaublich viel geraucht, das kann man sich kaum vorstellen! Von meinen letzten Istanbulbesuchen war mir das zwar durchaus in Erinnerung geblieben, allerdings ist der Kontrast dann doch ein bisschen größer geworden durch das Rauchverbot in Deutschland (und ich war ja gerade erst wieder ein paar Tage im Schwabenland, wo ja geradezu paradiesische Zustände für Nichtraucher herrschen...). Zu Armut fällt mir eher wenig ein, da es im Vergleich zum Jemen dann doch eher wenig davon unmittelbar zu sehen gibt. Der Anblick der Straßenhunde hat mich beispielsweise eher verwirrt, da die so wohlgenährt und gepflegt aussehen – einmal bin ich fast über so ein Riesenkalb gestolpert, das mitten in einer der Nobelgegenden Istanbuls auf dem Bürgersteig thronte. Da dachte ich noch „Welcher Depp lässt denn seinen Hund mitten auf dem Bürgersteig stehen?“. Erst einen Tag später realisierte ich dann, dass es sich wohl doch nicht um das Haustier eines reichen Istanbulers handelt...
Aber zurück zu Armut und Tabak. Die gibt es nämlich auch im Türkischen. Genauer gesagt in der türkischen Sprache. Und zwar handelt es sich um Birnen (armut) und Teller (tabak) – was das nun aussagen soll? Ich lerne!!! Zwar noch nicht wirklich mit sichtbarem Erfolg, wie ich finde, aber das wird schon noch. Immerhin bin ich gerade dabei, alltagstaugliche Begriffe wie Birne und Teller zu lernen. Allerdings fällt mir das Sprechen immer noch extrem schwer, weil dauernd die arabischen Wörter die Oberhand bekommen. So stehe ich dann wortlos vor einem Kioskbesitzer, der mich fragt, was für ein Wasser ich denn haben möchte. Weil mir dann aber das arabische Wort für „klein“ rausrutscht und das türkische Wort irgendwo in den Untiefen meiner Gehirnwendungen verschwunden ist, stehe ich dann wortlos da und gucke nur hilflos. Naja, das richtige Wasser habe ich dann trotzdem bekommen. Und glücklicherweise verbringe ich einen Großteil meiner Zeit mit Leuten, die sehr gut türkisch können. Die können dann Schadensbegrenzung betreiben ;-) Aber apropos Sprachen... Als ich dann auch noch vor zwei Spaniern stand und selbst das nicht mehr ohne arabische und türkische Einschübe funktionieren wollte, war ich dann doch etwas frustriert. Gerade hatte ich mich gefreut, endlich wieder Spanisch zu reden – wenigstens eine Sprache, die ich wirklich kann – und dann das... Vielleicht braucht mein Kopf ja mal ein bisschen Urlaub von den ganzen Sprachen. Allerdings könnte das dann doch eher schwierig werden in den nächsten Monaten...
Meine Lieblingsbeschäftigung (Zimmer finden) hat bisher eher zu mäßigem Erfolg geführt, aber inshaallah werde ich morgen eine schöne Wohnung sehen, in die ich dann einziehen kann. Die Vermieterin dieser Wohnung habe ich schon kennen gelernt und sollte die Wohnung auch nur halb so nett sein wie ihre Vermieterin, dann werde ich sofort umziehen wollen :-) An den Mieten in dieser Stadt lässt sich schon sehr deutlich ablesen, dass es sich um eine gefragte Großstadt handelt: Was hier für Löcher für 300 Euro im Monat angeboten werden! ...das ist ja noch um einiges krasser, als in Tübingen...
Immerhin stehen deutsche Mädchen bei dem Vermietern bzw. den Leuten, die Mitbewohner suchen, hoch im Kurs, sodass ich mich nicht beklagen kann, zu wenig Alternativen bei der Zimmersuche angeboten zu bekommen. Als männlicher Deutschtürke hat man es da deutlich schwerer, wie ich am Beispiel eines anderen Erasmusstudenten mitbekommen durfte: Da gibt es wirklich ganz extreme Vorurteile, die Leute werden gar nicht erst zur Zimmerbesichtigung eingeladen aufgrund ihrer Herkunft. Natürlich ist das nicht überall so, aber im Allgemeinen haben es die Deutschtürken hier nicht gerade leicht.
Welches Thema die türkischen Medien zur Zeit beherrscht, dürfte auch nach Deutschland durchgedrungen sein: Nein, nicht der Hausbrand in Ludwigshafen (obwohl der ein paar Tage lang schon ziemlich hochgekocht wurde), sondern die Diskussion um den „türban“, also das Kopftuch. Das Fernsehprogramm ist voll von Diskussionsrunden, dauernd gibt es riesige Demonstrationen in den Städten. Auffällig ist, dass kaum gemäßigte Positionen vertreten werden – es gilt die Devise „ganz oder gar nicht“.
Wettertechnisch hat hier seit ein paar Tagen schönstes norddeutsches Nieselwetter Einzug erhalten – gut, dass ich genug wetterfeste Kleidung eingepackt habe ;-) So kann ich jeden Tag kilometerweit zu Fuß laufen: Ein wahres Kontrastprogramm zum Jemen, wo die Bewegungsmöglichkeiten ja doch eher spärlich gesät waren. Dass ich mich die ganze Zeit zu Fuß fortbewege, hat jedoch auch mit der türkischen Bürokratie zu tun, welche wahrscheinlich noch eine ganze Weile verhindern wird, dass ich mit Studentenermäßigung die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen kann. Überhaupt, die Bürokratie... Ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich mir wegen einer Aufenthaltsgenehmigung oder sonst was die Tage in irgendwelchen Ministerien um die Ohren schlagen kann. Selbst das Freischalten eines deutschen Handys in der Türkei (Ohja! Sowas wird hier verlangt, sonst kann man sein Handy nicht benutzen!) wird zu einem großen Akt. Man geht zum zuständigen Laden, da lässt ein über alle Maßen unfreundlicher Angestellter verlauten, man bräuchte dieses und jenes Dokument. Man kommt zurück mit den angeblich benötigten Dokumenten, findet eine andere, deutlich freundlichere Angestellte vor, die einen wiederum wissen lässt, dass man dieses und jenes Dokument gar nicht brauche – dafür aber ein anderes... Herzlich Willkommen in der türkischen Bürokratie! ...und ich dachte, schlimmer als die jemenitische Bürokratie ginge es nicht...
Bis bald – ich hoffe, ich kann bald gute Nachrichten bezüglich der Zimmersuche verlauten lassen!
Montag, 4. Februar 2008
... angekommen!
Gestern (2.2.) bin ich planmäßig und wohlbehalten in Istanbul angekommen, bei meiner Freundin Cemre wurde mir netterweise für die ersten Tage Asyl gewährt. So kann ich mich in aller Ruhe auf die Suche nach einem Zimmer für die kommenden fünf Monate machen. Man mag es kaum glauben, aber den heutigen Tag habe ich sofort zum Türkisch lernen genutzt – es ist schon erschreckend, wie viel ich doch vergessen habe über die letzten Monate! Aber immerhin verstehe ich schon wieder einiges, das mit dem Sprechen wird wohl noch ein wenig dauern, dazu müssen erstmal die arabischen Wörter wieder verdrängt werden...
In Istanbul bin ich ja nicht zum ersten Mal: Ganze drei Male habe ich Cemre (mit Cemre war ich 2001/2002 zusammen in Venezuela, wo wir beide unser Schüleraustauschjahr mit AFS verbracht haben) und ihre Familie schon besucht seit 2003, aber einige Dinge haben sich doch geändert. So bin ich das erste Mal tagsüber nach Istanbul geflogen und konnte einen atemberaubenden Blick über die Stadt und Umgebung in der Nachmittagssonne genießen – wirklich sehr zu empfehlen! Zudem ist die Familie praktischerweise im Dezember von einem Randbezirk der Stadt ins Zentrum gezogen, wobei „Zentrum“ für Istanbul eine fast unmögliche Bezeichnung ist. Dafür ist die Stadt einfach zu groß!
Ansonsten gibt es bislang nicht viel zu berichten – Istanbul ist halt einfach eine riesige, bunte, europäische Stadt. Ich freue mich schon darauf, shoppen zu gehen ;-) Internet werde ich zunächst nur bei Cemre auf der Arbeit haben, sollte ich dann (hoffentlich bald) ein Zimmer gefunden haben, darf ich mich inshaallah über eine Flatrate freuen...
Liebe Grüße und bis bald,
eure Gesa
