Ja, diese beiden Wörter gibt es in der deutschen Sprache – und sie haben auch durchaus was mit den Eindrücken, die ich in der letzten Woche in Istanbul bekommen habe, zu tun. Vor allem letzteres: Hier wird so unglaublich viel geraucht, das kann man sich kaum vorstellen! Von meinen letzten Istanbulbesuchen war mir das zwar durchaus in Erinnerung geblieben, allerdings ist der Kontrast dann doch ein bisschen größer geworden durch das Rauchverbot in Deutschland (und ich war ja gerade erst wieder ein paar Tage im Schwabenland, wo ja geradezu paradiesische Zustände für Nichtraucher herrschen...). Zu Armut fällt mir eher wenig ein, da es im Vergleich zum Jemen dann doch eher wenig davon unmittelbar zu sehen gibt. Der Anblick der Straßenhunde hat mich beispielsweise eher verwirrt, da die so wohlgenährt und gepflegt aussehen – einmal bin ich fast über so ein Riesenkalb gestolpert, das mitten in einer der Nobelgegenden Istanbuls auf dem Bürgersteig thronte. Da dachte ich noch „Welcher Depp lässt denn seinen Hund mitten auf dem Bürgersteig stehen?“. Erst einen Tag später realisierte ich dann, dass es sich wohl doch nicht um das Haustier eines reichen Istanbulers handelt...
Aber zurück zu Armut und Tabak. Die gibt es nämlich auch im Türkischen. Genauer gesagt in der türkischen Sprache. Und zwar handelt es sich um Birnen (armut) und Teller (tabak) – was das nun aussagen soll? Ich lerne!!! Zwar noch nicht wirklich mit sichtbarem Erfolg, wie ich finde, aber das wird schon noch. Immerhin bin ich gerade dabei, alltagstaugliche Begriffe wie Birne und Teller zu lernen. Allerdings fällt mir das Sprechen immer noch extrem schwer, weil dauernd die arabischen Wörter die Oberhand bekommen. So stehe ich dann wortlos vor einem Kioskbesitzer, der mich fragt, was für ein Wasser ich denn haben möchte. Weil mir dann aber das arabische Wort für „klein“ rausrutscht und das türkische Wort irgendwo in den Untiefen meiner Gehirnwendungen verschwunden ist, stehe ich dann wortlos da und gucke nur hilflos. Naja, das richtige Wasser habe ich dann trotzdem bekommen. Und glücklicherweise verbringe ich einen Großteil meiner Zeit mit Leuten, die sehr gut türkisch können. Die können dann Schadensbegrenzung betreiben ;-) Aber apropos Sprachen... Als ich dann auch noch vor zwei Spaniern stand und selbst das nicht mehr ohne arabische und türkische Einschübe funktionieren wollte, war ich dann doch etwas frustriert. Gerade hatte ich mich gefreut, endlich wieder Spanisch zu reden – wenigstens eine Sprache, die ich wirklich kann – und dann das... Vielleicht braucht mein Kopf ja mal ein bisschen Urlaub von den ganzen Sprachen. Allerdings könnte das dann doch eher schwierig werden in den nächsten Monaten...
Meine Lieblingsbeschäftigung (Zimmer finden) hat bisher eher zu mäßigem Erfolg geführt, aber inshaallah werde ich morgen eine schöne Wohnung sehen, in die ich dann einziehen kann. Die Vermieterin dieser Wohnung habe ich schon kennen gelernt und sollte die Wohnung auch nur halb so nett sein wie ihre Vermieterin, dann werde ich sofort umziehen wollen :-) An den Mieten in dieser Stadt lässt sich schon sehr deutlich ablesen, dass es sich um eine gefragte Großstadt handelt: Was hier für Löcher für 300 Euro im Monat angeboten werden! ...das ist ja noch um einiges krasser, als in Tübingen...
Immerhin stehen deutsche Mädchen bei dem Vermietern bzw. den Leuten, die Mitbewohner suchen, hoch im Kurs, sodass ich mich nicht beklagen kann, zu wenig Alternativen bei der Zimmersuche angeboten zu bekommen. Als männlicher Deutschtürke hat man es da deutlich schwerer, wie ich am Beispiel eines anderen Erasmusstudenten mitbekommen durfte: Da gibt es wirklich ganz extreme Vorurteile, die Leute werden gar nicht erst zur Zimmerbesichtigung eingeladen aufgrund ihrer Herkunft. Natürlich ist das nicht überall so, aber im Allgemeinen haben es die Deutschtürken hier nicht gerade leicht.
Welches Thema die türkischen Medien zur Zeit beherrscht, dürfte auch nach Deutschland durchgedrungen sein: Nein, nicht der Hausbrand in Ludwigshafen (obwohl der ein paar Tage lang schon ziemlich hochgekocht wurde), sondern die Diskussion um den „türban“, also das Kopftuch. Das Fernsehprogramm ist voll von Diskussionsrunden, dauernd gibt es riesige Demonstrationen in den Städten. Auffällig ist, dass kaum gemäßigte Positionen vertreten werden – es gilt die Devise „ganz oder gar nicht“.
Wettertechnisch hat hier seit ein paar Tagen schönstes norddeutsches Nieselwetter Einzug erhalten – gut, dass ich genug wetterfeste Kleidung eingepackt habe ;-) So kann ich jeden Tag kilometerweit zu Fuß laufen: Ein wahres Kontrastprogramm zum Jemen, wo die Bewegungsmöglichkeiten ja doch eher spärlich gesät waren. Dass ich mich die ganze Zeit zu Fuß fortbewege, hat jedoch auch mit der türkischen Bürokratie zu tun, welche wahrscheinlich noch eine ganze Weile verhindern wird, dass ich mit Studentenermäßigung die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen kann. Überhaupt, die Bürokratie... Ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich mir wegen einer Aufenthaltsgenehmigung oder sonst was die Tage in irgendwelchen Ministerien um die Ohren schlagen kann. Selbst das Freischalten eines deutschen Handys in der Türkei (Ohja! Sowas wird hier verlangt, sonst kann man sein Handy nicht benutzen!) wird zu einem großen Akt. Man geht zum zuständigen Laden, da lässt ein über alle Maßen unfreundlicher Angestellter verlauten, man bräuchte dieses und jenes Dokument. Man kommt zurück mit den angeblich benötigten Dokumenten, findet eine andere, deutlich freundlichere Angestellte vor, die einen wiederum wissen lässt, dass man dieses und jenes Dokument gar nicht brauche – dafür aber ein anderes... Herzlich Willkommen in der türkischen Bürokratie! ...und ich dachte, schlimmer als die jemenitische Bürokratie ginge es nicht...
Bis bald – ich hoffe, ich kann bald gute Nachrichten bezüglich der Zimmersuche verlauten lassen!

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen